Unterhaltsleistungen fehlerfrei absetzen

Unterhaltsleistungen fehlerfrei absetzen

Wer Leistungen an unterhaltsberechtigte Angehörigen zahlt, kann diese unter bestimmten
Voraussetzungen steuermindernd geltend machen. Allerdings können Fehler den
Steuervorteil rasch zunichte machen, wie die aktuelle Rechtsprechung zeigt. Der Bun-
desfinanzhof hatte über einen Fall zu entscheiden, in dem ein Ehepaar an den Vater
der Ehefrau Unterhalt leistete. Dabei erfolgte eine erste Zahlung in Höhe von 3.000
Euro im Dezember des betreffenden Kalenderjahres. Der nächste Geldbetrag wurde im
Mai des Folgejahres überwiesen.

Unterhaltsleistungen wie im vorliegenden Fall können als außergewöhnliche Belastung
bis zur Höhe des steuerfreien Existenzminimums, in diesem Jahr 9.000 Euro, geltend
gemacht werden. Der Höchstbetrag kürzt sich um eigene Einkünfte und Bezüge der
unterstützten Person. Außerdem wird der Höchstbetrag gekürzt, wenn der Unterhalt
nicht das gesamte Jahr über gezahlt wird. Aus diesem Grund berücksichtigte das Fi-
nanzamt im vorliegenden Fall den Unterhalt erst ab Dezember. Folglich reduzierte sich
der Höchstbetrag auf 1/12, sodass nur ein geringer Teil des geleisteten Unterhalts
steuermindernd anerkannt wurde.

Das Ehepaar hielt dem entgegen, dass der überwiesene Geldbetrag nicht nur für den
Monat Dezember, sondern auch für den nachfolgenden Zeitraum bis zur nächsten
Überweisung im Mai des Folgejahres verwendet wurde. Das Finanzgericht Nürnberg
folgte dieser Argumentation und gewährte den Abzug des Unterhaltes auch für die Fol-
gemonate, sodass sich ein wesentlich höherer Abzugsbetrag ergab. Mit seinem am
1. August 2018 veröffentlichtem Urteil hat der Bundesfinanzhof jedoch die Entschei-
dung des Finanzgerichts aufgehoben und den Unterhalt wie im ursprünglichen Steuer-
bescheid nur für den Monat Dezember berücksichtigt (Aktenzeichen VI R 35/16).

„Das Urteil ergibt sich aus dem Jahresprinzip der Besteuerung“, erläutert Uwe Rauhöft,
Geschäftsführer des Bundesverbandes Lohnsteuerhilfevereine. Steuerpflichtige sollten
bei ihrer steuerlichen Planung beachten, dass Einnahmen und Ausgaben grundsätzlich
in dem Jahr berücksichtigt werden, in dem das Geld zu- oder abfließt.

Im entschiedenen Streitfall ergaben sich für das unterhaltsleistende Ehepaar aus der
strikten steuerlichen Trennung der Kalenderjahre weitere Nachteile. So wurde auch im
Folgejahr für die Monate bis zur nächsten Unterhaltszahlung im Mai kein Unterhalt
berücksichtigt und der Höchstbetrag für die geleisteten Unterhaltszahlungen auch im
zweiten Jahr gekürzt.

BVL-Geschäftsführer Rauhöft weist deshalb darauf hin, dass in jedem Jahr die erste
Unterhaltszahlung bereits im Januar erfolgen sollte, um den Höchstbetrag in voller Hö-
he auszuschöpfen. Der geleistete Geldbetrag kann dann bis zur nächsten Rate des
laufenden Jahres oder bis zum Jahresende berücksichtigt werden.

Der Nachweis regelmäßiger Unterhaltsleistung ab Jahresbeginn ist entbehrlich, wenn
der unterstützte Angehörige im Haushalt lebt. In diesen Fällen kann stets der Höchst-
betrag berücksichtigt werden. Eigene Einkünfte und Bezüge sind oberhalb eines Baga-
tellbetrages von 624 Euro im Jahr gegenzurechnen


(Quelle: BVL Pressemeldung 09/2018)